Schäfer-Geschichten

Christian & Frank Westphal

Mitten im Biosphärenreservat Südost-Rügen liegt das Mönchgut – diese verwunschene Halbinsel, die von allem etwas zu bieten hat. Man findet hier Wasser und Weite, flache Wiesen, aber auch Hügel, viel Wald und außerhalb des Sommers die pure Ruhe. Wenn die Touristen nach Hause gefahren und die Einwohner wieder unter sich sind, geht eine gewisse Entspanntheit auf die Menschen über. Allen voran auf unsere Schäfer Christian und Frank Westphal aus Groß Zicker.

Sie leben und arbeiten auf den Zickerschen Bergen im Südosten der Insel Rügen. Schon etliche Generationen der Familie Westphal betrieben hier Landwirtschaft. Genauer gesagt schon seit dem Jahre 1889. Damals begannen ihre Vorfahren mit der Schafhaltung und Schafzucht. Der Vater der beiden Schäfer hat die heutige Firma 1989 als Einzelunternehmen gegründet und 1996 wurde sie offiziell zu einer Schäferei ernannt.
Frank und Christian sind schon als kleine Kinder immer mit den schwarzen Lämmern der Pommernschafe im Stall gewesen. Und da die Familie immer schon eine Landwirte-Familie war, stellte sich die Frage nach einem anderen Berufswunsch bei Frank überhaupt nicht. Christian absolvierte aber erstmal eine Ausbildung zum Koch. Danach hing er noch eine weitere Lehre zum Fleischer an, denn er dachte, eventuell könnte er dann die Direktvermarktung der Tiere aus der Schäferei übernehmen. Aus verschiedenen Gründen hat sich dies aber dann doch nicht ergeben.

2015 verstarb dann leider der Vater der beiden und sie gründeten gemeinsam eine GbR. Seither führen sie nun Seite an Seite weiter, was der Vater geschaffen und ihnen hinterlassen hat.
Christian liebt die Abwechslung, die man in diesem Beruf erfährt. Jeder Tag ist unberechenbar. Die Jahreszeiten geben zwar einige Rhythmen vor, aber kein Tag ist wie der andere. Sobald die Wiesen wieder grüner werden und genug Futter vorhanden ist, kommen die Schafe raus auf die Weide. Die Schäfer müssen dann täglich die Herde kontrollieren. Sind die Tiere gesund? Gibt es genug Trinkwasser auf der Fläche? Sind die Zäune alle heil? Danach gehen sie anderen Dingen wie zum Beispiel im Sommer der Futterernte nach.

Pommernschafe

Gerade im Sommer, wenn noch mehr Touristen da sind, die doch gerne mal in die Koppeln reinlaufen oder auch mal die Zäune umtreten, weil sie gerade dort lang wollen, haben wir viel mehr Arbeit. Da ist eine regelmäßige Kontrolle erforderlich. Denn wir haben ja noch einen Nachbarbetrieb und wenn dann die Schafe ausbrechen und sich mischen, wäre das für alle der SuperGAU. Allein vom zeitlichen Faktor her, denn gerade wenn alle in der Futterernte stecken, wird dort jede Hand gebraucht.

Christian Westphal

Die beiden Schäfer schätzen an ihrem Beruf, dass das Arbeiten sehr entspannt ist. Zwar sind die einzelnen Aufgaben manchmal körperlich sehr anstrengend, aber es steht keiner hinter den beiden, der ihnen sagt, was sie zu tun haben. Und im Vergleich zur Gastronomie, meint Christian, ist hier der Kopfdruck weg.

„Kein Tag ist wie der andere. Es gibt von morgens bis abends auch immer wieder Zeit für einen selbst oder für die Familie. Und das ist so die Entspanntheit, die der Beruf mit sich bringt.“

Frank Westphal
Frank Westphal

Die Herausforderung

Die Schäferei Westphal ist ein klassischer Landschaftspflegebetrieb. Das bedeutet, dass sie im Rahmen der vorgesehenen Landschaftspflege-Programme verschiedene Faktoren berücksichtigen müssen bei der Beweidung. Zum Beispiel, zu welchen Zeiten sie die Schafe auf die Flächen lassen und mit wie vielen Tieren eine Fläche beweidet werden darf, der sogenannte Tierbesatz der Fläche. Das Weidemanagement muss so organisiert werden, dass die Schäfer genügend Futter für die Schafe vorhalten, aber auch wieder genügend Zeit zwischen den einzelnen Weidegängen vergeht. Das ist eine Arbeit, die im Vorfeld im Büro stattfinden muss, damit es dann draußen auch funktioniert.
An alle anderen Herausforderungen im Schäferberuf und in ihrer Region haben sie sich gewöhnt. Das ist jedes Jahr das gleiche. Im Sommer kommen die Touristen. Im Winter sind sie allein.

Christian Westphal

„Ich habe erst eine Ausbildung zum Koch gemacht. Dann hab ich noch Fleischer hinterhergelernt, dem damaligen Gedanken folgend, die Tiere irgendwann selber zu vermarkten. Was sich aber nie so ergeben hat. Und dann ist 2015 leider unser Vater verstorben. Da bin ich dann auch mit in die Firma eingestiegen, denn es hat mir ja immer Spaß gemacht.“

Christian Westphal

Warum Nordwolle?

Als Marco das erste Mal auf den Hof kam – damals noch zu Frank und Christian´s Vater – da war das Projekt Nordwolle noch ein bisschen unausgegoren. Sie waren skeptisch. Aber nicht lange danach hatte Marco auch die beiden Poken überzeugt, ihre Wolle in seine Hände zu geben. Mittlerweile sind sie überzeugte Nordwolle-Fans. Ausserdem ist der Wollmarkt in den letzten Jahren sehr stark eingebrochen, sodass die Ankausfpreise der Pommernwolle bei uns natürlich auch verlockend waren.

Wenn man dann von Schwarzkopf-Züchtern hört , dass es kurzzeitig 13 Cent für´s Kilo gab, sagt man sich doch: „Wir züchten die Pommern. Alles richtig gemacht.“ In den Jahren davor gab es für die weiße Wolle auch bis 1,10 Euro pro Kilo. Zu dieser Zeit wurde die graue Wolle eben auf dem Misthaufen eingebuddelt, weil sie keiner haben wollte. Einen kleinen Teil haben wir selber vermarktet und spinnen lassen und unsere Mutter hat einiges an spinnwillige Damen selbst verkauft.

Christian Westphal

Auf dem Mager- und Trockenrasen der Zickerschen Berge würde man mit schwerer Technik sehr viel Schaden verursachen. Auch die steilen Hügel mit sehr gewaltigem Gefälle wären mit Maschinen nicht pflegbar. Die Schafe sind also am Zipfel der Halbinsel Mönchgut perfekt aufgehoben. Hier waren sie schon immer zuhause. Und hier werden sie dank Frank und Christian auch noch lange zuhause sein.

„Das besondere im Winter ist die Ruhe im Stall, auch gerade nachts, wenn die Lämmer kommen. Diese Entspanntheit der Tiere, wenn man die Lämmer einsammelt.“

Christian Westphal
Lamm Pommernschaf