Hightech aus der Natur

Geboren in den widrigen Bedingungen des Nordens – auf Rügen -, die wir gerne als Schietwetter bezeichnen, liefert das Grauwollige Pommersche Landschaf die perfekte Faser für unsere wasserabweisenden Textilien.

Um zu verstehen, warum Schurwolle ein Hightech-Rohstoff ist, müssen wir beim Ursprung anfangen. Und der Ursprung ist die Faser, die Mechanik der Faser. Schurwolle hat sich die Natur ausgedacht, um gleichwarme Säugetiere persönlich zu isolieren. Dies lässt sich am besten im Vergleich zu anderen Faserarten erklären.

BAUMWOLL-Faser

Baumwolle wächst in trockenen, klimatischen Bedingungen und hat die Aufgabe – wenn es denn mal regnet oder mal Morgentau ist – sich vollzusaugen, diese Feuchtigkeit zu halten und den Samen – später den Keim – kühl zu halten und lange lange mit Wasser zu versorgen. Die Baumwolle ist also genau für die Komplementäranwendung gedacht als für Bekleidung. Im Grunde genommen ist das eine Vergewaltigung des Materials.

„Wolle eignet sich deswegen so gut dafür, weil sie einfach dafür gedacht ist, zu isolieren. Das ist die ursprüngliche Intention. Wofür wir sie auch verwenden.“

Eine andere wichtige Abgrenzung ist folgende:
Unsere Wolle ist eine nordische Mischwolle und unterscheidet sich zur Merinowolle durch den Faserquerschnitt. Das heißt, der Rohstoff, woraus diese Faser besteht, ist eigentlich der gleiche. Aber die Struktur ist eine andere.

MERINOWOLLE

Eine Merinowolle hat eine 18 Mikrometer feine Wolle. Das ist der Durchmesser der Faser. Und alle Fasern haben möglichst den gleichen Durchmesser. Dadurch ist dies eine ganz feine Wolle und fühlt sich sehr angenehm auf der Haut an. Aber sie hat für die Isolation und den Schutz vor Witterung nachteilige Eigenschaften.

Denn wenn eine Faser ganz fein ist, so wie zum Beispiel auch Baumwolle, dann bilden sich zwischen den Fasern starke Kapillarkräfte und die Wolle saugt sich voll und wird schwer. Deswegen kann man das Merino-Wollschaf auch in unseren klimatischen Bedingungen nicht halten. Weil wir viel zu viel Niederschlag haben.

Es gibt zwar immer wieder Versuche, bei denen man das probiert. Aber es wurden schon grüne Tiere gesehen, weil sie einfach nicht trocknen und dann bilden sich Algen auf dem Tier. Und es wurden auch schon Tiere gesehen, die nach einem Regen ihr eigenes Gewicht nicht mehr tragen konnten. Weil sich die Wolle vollsaugt.

Pommernschaf im Regen
Pommernschaf im Regen

Die Faser der Pommernwolle

Die Wolle vom Pommerschen Landschaf hat auch 18 Mikrometer feine, aber auch bis zu 70 Mikrometer dicke Fasern. Und diese Vielfalt an Fasern bildet die hohe Leistungsfähigkeit, die wir für unsere Outdoor-Textilien benötigen. Die feinen Fasern machen unsere Textilien winddicht und schließen die Poren im Gewebe und die dicken Fasern lockern den Verbund auf und verhindern eine Kapillarwirkung. Da bilden sich die Wasser-Tröpfchen dann auf der Oberfläche und laufen wie auf einem Rohrdach ab.

Ausserdem ist ab 30 Mikrometer und dicker die Faser hohl. Die Lufteinschlüsse darin sorgen dafür, daß das Material stark isoliert bei gleichzeitig sehr geringem Gewicht. Unsere Jacken sind dadurch bei gleicher Isolation viel dünner und leichter wie ähnliche Jacken aus Merinowolle.

Moderne Fertigungsverfahren

In unsere Fertigungs- und Verarbeitungsverfahren haben wir viel Gehirnschmalz fliessen lassen.
Ein uralter Rohstoff kombiniert mit stark weiterentwickelten Fertigungsverfahren: Das ist in unseren Augen auch eine Form von Hightech.

„Die Fertigungsverfahren haben sich stark verbessert.“

Heutzutage ist zum Beispiel das industrielle Spinnen viel besser. Warum?
Wenn man die Wolle manuell verspinnt, lässt man die Fasern durch die Hand laufen. Dann gibt es Fasern, die drehen sich mit ein in das Garn. Und die Köpfe der Fasern schauen aber raus. Das ist dann das, was juckt und sticht auf der Haut.
Das maschinelle Spinnen ist ein ganz anderer Prozess:
Dabei wird der Faden eingerollt und so bleiben die Köpfe der Fasern im Garn drin.

Auch macht es einen Unterschied, ob man die Wolle vor der Verarbeitung mit oder ohne Waschmittel wäscht. Nutzt man Waschmittel, ist die Wolle komplett entfettet. Dadurch wird die Faser spröde und nicht mehr so elastisch.
In unserem Fertigungsverfahren belassen wir bis zum Endprodukt einen hohen Lanolingehalt in der Wolle. Darum färben und karbonisieren wir auch nicht. Dadurch bleibt die Faser weicher, wasserabweisender und sticht natürlich auch nicht so stark.

Damit wir ein Stechen und Jucken möglichst ganz verhindern können, sind unsere TAMBOR-Modelle an den Stellen, an denen sie die Haut berühren, ausgefüttert.
Bei unserer Steppkollektion 3dX wird die Wollwattierung in GOTS-zertifizierte faserdichte Baumwolle eingesteppt. Bei diesen Modellen kommt man gar nicht mit der Wolle in Berührung, man hat aber eine durchlässige Baumwolle, die Feuchtigkeit durchlässt.

Kaschmir-Ziegen und Schafe im Khangai Nuruu National Park in der Mongolei
Kaschmir-Ziegen und Schafe im Khangai Nuruu National Park in der Mongolei

Die, die es wissen müssen

Interessant ist auch zu bemerken, wie die Leute, die es wirklich wissen müssen, nämlich die Mongolen, das handhaben:
Die Mongolen haben sich die Kaschmirziege in der Wüste Gobi gezüchtet. Aber die Kaschmirziege hat nicht nur diese feinen, edlen Fasern, sonst könnte sie nämlich an diesem Ort gar nicht überleben. Sondern sie hat eine Mischung aus dicken Grannenhaaren und dem feinen Untervlies. Das feine Haar wird herausgekämmt. Und die Mongolen mischen dann dieses teure, feine Kaschmir mit Kamelhaaren. Um eine Mischung zu erzeugen, die am Ende so ähnlich ist, wie das, was das Pommernschaf uns zu bieten hat.

Wie schön, dass wir erst gar nichts zu mischen brauchen.
Dem Pommernschaf sei Dank!

Das ist High Tech aus der Natur.