Schäfer-Geschichten

Mathias Neubauer

Eine Reise nach Hiddensee entschleunigt den Alltag. Auf die Insel gelangt man nur per Schiff oder Wassertaxi. Auch die Fortbewegung auf der Insel selbst geht zu Fuß, auf dem Fahrrad oder per Pferdekutsche eher gemächlich vor sich. Hiddensee ist nämlich seit jeher autofrei.

Auch die 400-köpfige Schafherde von Mathias Neubauer tritt jedes Jahr einmal die Überfahrt von Hiddensee nach Rügen und zurück an. Nachdem sie eine ausgiebige Sommer-Saison auf der Insel verbringen durften, dem wechselhaften Wetter, den kargen Böden, aber natürlich auch dem großartigen Ausblick ausgesetzt, genießen die Schafe im Winter das Stallleben auf Rügen. Sobald das Gras im Frühjahr hoch genug und saftig grün auf den Wiesen steht, wird die Überfahrt zurück auf die kleinere Insel westlich von Rügen geplant. Seekrank dürften die Tiere wohl nicht mehr werden, nachdem diese jährlichen Reisen zur Routine geworden sind.

Mathias Neubauer – gebürtiger Rüganer – betreibt auf Hiddensee einen Landwirtschaftsbetrieb und Fuhrmannshof. Er bewirtschaftet mit seinen Schafen viele Grünland-, Deich- und Heideflächen. Ausserdem bietet er mit seinen Pferden auch Kutschfahrten und geführte Ausritte über die Insel an.
Der gelernte Landwirt hatte schon seit seiner Kindheit immer viel mit Tieren zu tun gehabt. Zwangsläufig, denn sein Vater ist Tierarzt. Zuerst hatte er in den Pferden seine Leidenschaft gefunden und hielt hobbymäßig einige Tiere. Nach der Wendezeit – genauer im Jahr 1992 – spannen Vater und Sohn die Idee, einen Pferdebetrieb auf der Nachbarinsel aufzubauen. Als dann die Chance kam, Land zu pachten, griffen sie zu und bauten zu dem Pferdebetrieb noch einen Landwirtschaftsbetrieb auf. Sie starteten mit Pferde- und Mutterkuh-Haltung. 2003 strukturierten sie aber ihren Betrieb etwas um und besonnen sich zurück auf die Schafe. Und besonders die Rasse, die sein Vater auch schon zu DDR-Zeiten gehalten hatte. Das pommersche Landschaf.

Pommernschafe Hiddensee

Pommernschafe passen wahnsinnig gut in diese Landschaft, sind wie gemacht für die kargen und nassen Böden. Heimisch auf Rügen empfinden sie hier bestimmt keinerlei Heimweh, denn ein Blick nach Osten genügt und die Heimatinsel erscheint am Horizont. Auf Hiddensee pflegen sie vorrangig die Deiche, sie treten den Boden fest, halten das Gras kurz und auf den Heideflächen verhindern sie die Verbuschung.

Landschaftliche Herausforderungen

An die klimatischen Verhältnisse auf der seepferdchengleichen Insel muss man sich anpassen, wenn man mit der Natur arbeitet. Alles wächst hier ein bisschen langsamer auf den sandigen Böden. Die Schafe können dadurch erst etwas später raus als anderswo. Auch braucht Mathias Neubauer mehr Fläche für die Tiere, da auf der Insel schlichtweg weniger wächst. Mittlerweile kennt er seine Weidegebiete aber genau und weiß, wann er mit den Schafen auf welche Fläche ziehen kann, damit sie genug Futter bekommen.

Mathias Neubauer, Hiddensee

„Wir arbeiten mittlerweile schon einige Jahre mit Nordwolle zusammen und für uns ist das eine wirklich vernünftige Lösung. Wir hatten früher ein echtes Problem. Was machen wir mit der Wolle? Bis dahin haben wir die Wolle zeitweise auch vernichten müssen, weil wir sie einfach nicht losgeworden sind und immer Lagerkapazitäten brauchten. Wir freuen uns, dass nun sogar regional was mit der Wolle passiert. Und das passt ja auch super hierher.“

Eine kleine Herde von Mathias Neubauer´s Schafen steht zur Deichpflege zwischen Kloster und Vitte. Dort findet man ausschließlich pommersche Landschafe. Um diese kümmert er sich persönlich – im Wechsel mit einem Kollegen. Die Hauptherde im Süden der Insel wird aber durch einen richtigen, festangestellten Schäfer betreut. Dieser kümmert sich um bis zu 380 Muttertieren. Mit ihnen betreibt er Deich- und Heidepflege und ist autark in seinen Entscheidungen. Er hütet, wo es ihn und die Tiere gerade hinzieht, damit es ihnen gut geht.

„Ich würde mich freuen, wenn junge Leute beruflich wieder mehr in diese Richtung gehen würden. “

Pommernschaf Hiddensee